25 April 2026, 16:14

Falsche Gruppenvergewaltigung nach dem Oktoberfest: Wie eine Lüge viral ging

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das "Rape Ain't Right: Sexual Assault is a Serious Issue" lautet, eingerahmt von einem schwarzen Rand.

Falsche Gruppenvergewaltigung nach dem Oktoberfest: Wie eine Lüge viral ging

Falsche Behauptung über eine Gruppenvergewaltigung in München verbreitete sich nach dem Oktoberfest 2022 rasant im Netz

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Ein von Truth24 verbreiteter Bericht behauptete, eine US-Amerikanerin sei nach dem Oktoberfest von einer afrikanischen Gruppe angegriffen worden. Polizeiliche Unterlagen zeigten später: Es gab keine Belege für ein solches Verbrechen.

Der irreführende Artikel wurde über 1.700 Mal auf Facebook geteilt. Die Behörden stellten klar, dass der Vorfall falsch dargestellt worden war – eine Gruppenvergewaltigung hatte nicht stattgefunden.

Keine Hinweise auf Gruppenvergewaltigung Am 29. September 2022 meldete die Münchner Polizei einen sexuellen Übergriff auf eine US-Amerikanerin. Die Frau konnte sich nicht an Details erinnern und lehnte eine medizinische Untersuchung ab. Im Polizeibericht war weder von einer Gruppenvergewaltigung noch von einem Versuch die Rede.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelte, fand jedoch keine Beweise für eine Vergewaltigung oder Gruppenvergewaltigung. Verdächtige wurden vernommen und noch am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt. Dennoch veröffentlichte Truth24 am 2. Oktober 2022 einen Artikel mit der Schlagzeile "Gruppenvergewaltigung nach der Wiesn" – und machte eine afrikanische Gruppe dafür verantwortlich.

Widerspruch zu offiziellen Statistiken Die Behauptung stand im Widerspruch zu den polizeilichen Daten. 2017 waren Deutsche, Afghanen, Türken, Eritreer und Syrer die häufigsten Nationalitäten in Fällen von Gruppenvergewaltigungen – Afrikaner gehörten nicht zu den Haupttätern. Zwar waren 54,8 Prozent der Verdächtigen nicht deutsch, doch fast die Hälfte der Fälle ging auf deutsche Täter zurück.

Zudem behauptete der Truth24-Artikel fälschlicherweise, Gruppenvergewaltigungen würden "meist von Muslimen und Afrikanern" verübt. Die Polizeistatistiken stützten diese Aussage nicht. Dennoch verbreitete sich der falsche Bericht weiter und erreichte Tausende, bevor Korrekturen veröffentlicht wurden.

Keine Anklage, keine Beweise – doch der Artikel blieb online Die Münchner Polizei bestätigte, dass es keine Gruppenvergewaltigung gegeben hatte und gegen die Verdächtigen nie Anklage erhoben wurde. Der Truth24-Artikel blieb trotz seiner Ungenauigkeiten im Netz. Die offiziellen Zahlen von 2017 widerlegten zudem die Behauptung über eine besondere Beteiligung von Afrikanern oder Muslimen.

Der Fall zeigt, wie schnell ungeprüfte Meldungen in sozialen Medien verbreitet werden können. Die Behörden riefen die Öffentlichkeit dazu auf, sich auf offizielle Stellungnahmen zu verlassen – statt auf reißerische Schlagzeilen.

Quelle