07 May 2026, 14:15

Wie die DDR die jüdische Geschichte Halberstadts systematisch verdrängte

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, mit zahlreichen weißen und blauen rechteckigen Betonsteinen in einem Gittermuster.

Wie die DDR die jüdische Geschichte Halberstadts systematisch verdrängte

Ein neues Buch des Historikers Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit. In „Verweigerte Erinnerung“ zeigt er, wie die antifaschistische Politik des Staates versagte, das Gedenken an die jüdische Gemeinschaft der Stadt zu bewahren. Die Forschung stützt sich auf Archive, persönliche Interviews und Literatur, um ein Erbe zu rekonstruieren, das weitgehend ignoriert wurde.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Zerstörung der jüdischen Gemeinde Halberstadts begann am 9. November 1938, als die Synagoge der Stadt während der nationalsozialistischen Pogrome niedergerissen wurde. Jahrzehnte später, 1949, entstand am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt eine Gedenkstätte. Sie ehrte zunächst die Opfer, die in der unterirdischen Rüstungsproduktion zwangsarbeiteten – doch ihre Bedeutung veränderte sich im Laufe der Zeit.

Bis 1969 wurde die Stätte zu einem Versammlungsort umgestaltet, an dem Jugendliche in „revolutionären Idealen“ und „sozialistischem Patriotismus“ erzogen werden sollten. Gleichzeitig nutzte die DDR die Tunnelsysteme des Lagers in den 1970er-Jahren als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee.

Das Verhältnis der DDR zum jüdischen Erbe blieb widersprüchlich. Zwar erschienen 1969 Werke wie Peter Edels „Die Bilder des Zeugen Schattmann“ oder Jurek Beckers „Jakob der Lügner“, doch andere Stimmen wurden zum Schweigen gebracht. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati, die 1952 nach Ost-Berlin gezogen war, veröffentlichte dort zwar drei Schallplatten – doch nach dem Sechstagekrieg verschwand sie aus den staatlichen Medien.

Grafs Buch zeichnet nach, wie die jüdische Vergangenheit Halberstadts systematisch übergangen wurde. Trotz offizieller antifaschistischer Rhetorik unterdrückte oder verfälschte die DDR diese Geschichte oft und hinterließ Lücken, die erst heute geschlossen werden.

Die Forschung belegt eine gezielte Auslöschung jüdischer Erinnerung in Halberstadt unter der DDR. „Verweigerte Erinnerung“ dokumentiert nicht nur die Verluste der Vergangenheit, sondern auch das Versagen des Staates, sie anzuerkennen. Heute bietet das Buch die Chance, eine fast verlorene Geschichte zurückzugewinnen.

Quelle