17 March 2026, 01:05

Thalia Theater verhandelt in fiktivem Prozess über AfD-Verbot

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer Gerichtsszene mit einem Mann, der eine Waffe hält und vor einer Menge von Menschen steht, einige sitzen auf Bänken und andere stehen, mit der Inschrift "Der Prozess gegen Thomas Jefferson" unten.

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verhandelt in fiktivem Prozess über AfD-Verbot

Hamburgs Thalia Theater wagt an diesem Wochenende ein gewagtes Theater-Experiment: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert ein dreitägiges 'tagesschau-Prozess gegen Deutschland' – seine erste deutsche Produktion im charakteristischen Tribunal-Stil. Die Veranstaltung bildet den Abschluss der diesjährigen Lessing-Tage Hamburg, einem Festival mit politischem Fokus, das seit seiner Gründung 2010 für kontroverse Debatten steht.

Das fiktive Gerichtsverfahren beginnt heute Abend und läuft bis Sonntag. Statt Schauspieler, die einem Drehbuch folgen, diskutieren echte Juristen und Rechtsexperten über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD. Den Vorsitz über die Verhandlungen führt Herta Däubler-Gmelin, Deutschlands ehemalige Justizministerin (SPD).

Kurator der diesjährigen Lessing-Tage ist der Theaterregisseur Matthias Lilienthal, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Raus Ansatz – die Verschmelzung von Theater mit realen juristischen Debatten – sorgte bereits mit früheren Projekten wie "Die Moskauer Prozesse" (2013) und "Das Kongo-Tribunal" (2015) für Aufsehen. In diesen Inszenierungen nutzte er Tribunal-Formate, um historische und aktuelle Ungerechtigkeiten aufzuarbeiten.

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Wer nicht vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit, den "tagesschau-Prozess gegen Deutschland" live auf der Website des Thalia Theaters zu verfolgen. Die Veranstaltung führt die Tradition der Lessing-Tage fort, politisch provokante Formate zu präsentieren – ein Erbe des ehemaligen Thalia-Direktors Joachim Lux.

Mit "tagesschau-Prozess gegen Deutschland" bringt Rau sein international anerkanntes Format erstmals auf eine deutsche Bühne. Rechtsexperten werden in einer inszenierten, aber unskriptierten Verhandlung den Status der AfD prüfen. Gleichzeitig markiert der Festivalabschluss Lilienthals letzte Amtshandlung als Kurator, bevor er an die Volksbühne wechselt.

AKTUALISIERUNG

Kontroversen und Reaktionen nach dem Theaterprozess über das AfD-Verbotsverfahren

Das fiktive Prozessdrama über die politischen Spannungen in Deutschland hat eine Debatte ausgelöst. Interviews nach dem Ereignis ergaben:

  • Milo Rau sprach über die 'deutsche Angst vor dem Bösen' und die 'Angst der AfD vor dem Theater.'
  • Harald Martenstein zeigte sich erleichtert über den mutigen Ansatz der Inszenierung.
  • Kritiker beschrieben das Ereignis als eine 'diskursive Hardcore-Massage', die auf den provozierenden Effekt hinwies.