Streit um Deutschlands neues Wehrmodell eskaliert vor Koalitionsgipfel
Jonas SeifertSPD besteht auf freiwilligem Wehrdienst: 'Deutlich kommuniziert' - Streit um Deutschlands neues Wehrmodell eskaliert vor Koalitionsgipfel
Der Streit um das neue Wehrmodell Deutschlands hat sich vor einem entscheidenden Koalitionstreffen weiter zugespitzt. Der Plan der Bundesregierung, der im Januar 2026 in Kraft treten soll, setzt auf freiwillige Rekrutierung, sieht aber vor, im Falle von Personalengpässen die Wehrpflicht wieder einzuführen. Kritiker aus SPD und Union streiten darüber, ob das Modell freiwillig bleiben oder eine generelle Dienstpflicht vorschreiben soll.
Das umstrittene Wehrpflichtgesetz der Regierung, das im August verabschiedet wurde, verpflichtet alle ab 2008 geborenen 18-jährigen Männer, einen Fragebogen auszufüllen und zu Musterungen zu erscheinen. Zwar ist die Teilnahme zunächst freiwillig, doch könnte die Wehrpflicht aktiviert werden, falls die Rekrutierungsziele verfehlt werden. Bis Ende Februar 2026 hatte die Bundeswehr 16.100 Bewerbungen erhalten – ein Anstieg um 20 Prozent – und 5.300 neue Soldaten eingestellt, 14 Prozent mehr als in vorherigen Zeiträumen. Weitere 13.400 Rekruten befanden sich bereits im freiwilligen Kurzzeittdienst, was einem Plus von 15 Prozent entspricht.
Die SPD bleibt bei ihrer Ablehnung einer Dienstpflicht. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller drängte auf eine zügige Verabschiedung des Gesetzes, um noch in diesem Jahr mit der Rekrutierung beginnen zu können. SPD-Generalsekretär Tim Klußendorf kritisierte Forderungen nach einer Wehrpflicht als politisch unglaubwürdig und verwies auf die Verunsicherung unter jungen Menschen.
Unterdessen wird der Widerstand aus der Union lauter. CSU-Chef Markus Söder bezeichnete das freiwillige Modell als "halbherzig" und bekräftigte vor dem Koalitionsgipfel am Mittwoch seine Unterstützung für die Wehrpflicht. Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul sprach sich für eine Dienstpflicht aus und stellte infrage, ob der aktuelle Ansatz die langfristigen Ziele der Bundeswehr erfüllen könne. Die Regierung strebt an, die Truppe von derzeit 186.200 auf 260.000 bis 270.000 Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre zu vergrößern – durch die jährliche Gewinnung von rund 20.000 Freiwilligen.
Die Debatte über die Wehrform wird die künftige Personalstrategie der Bundeswehr prägen. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes 2026 muss die Regierung abwägen zwischen freiwilliger Teilnahme und dem Risiko, bei verfehlten Zielen doch zur Wehrpflicht greifen zu müssen. Die Entscheidung wird zeigen, ob die geplante Truppenvergrößerung ohne Zwangsmaßnahmen gelingen kann.






