Neues chemisches Werkzeug entschlüsselt Sphingolipide für Medikamentenentwicklung
Anto LehmannNeues chemisches Werkzeug entschlüsselt Sphingolipide für Medikamentenentwicklung
Forscherinnen und Forscher aus Würzburg und Berlin haben ein neues chemisches Werkzeug entwickelt, um Sphingolipide zu untersuchen. Diese Moleküle stehen in Verbindung mit Krankheiten wie Fabry, Gaucher, Ebola, Masern und COVID-19. Die Entdeckung eröffnet frische Ansätze für die Medikamentenentwicklung bei Infektionskrankheiten und immunologischen Therapien.
Sphingolipide wurden erstmals Ende des 19. Jahrhunderts vom deutschen Pathologen Ludwig Thudichum aus dem Gehirn isoliert. Nun hat ein Team der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe Graduiertenkolleg 2581 ein Sphingomyelin-Derivat entwickelt, mit dem sich die Verteilung von Sphingomyelin nachverfolgen und die Aktivität von Sphingomyelinasen messen lässt.
Die neuen Moleküle sind trifunktionelle Sphingomyeline, die auf der natürlichen Verbindung basieren, jedoch mit drei zusätzlichen Funktionen angereichert wurden. Getestet wurden sie, indem die Aktivität bakterieller Sphingomyelinasen an menschlichen Zellen gemessen und der Abbau von Sphingomyelin während einer Chlamydien-Infektion beobachtet wurde. Dabei stieg der Anteil der metabolisierten Sphingomyelin-Moleküle, als sich nicht-infektiöse Chlamydien-Partikel in infektiöse umwandelten.
Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications unter dem Titel „Trifunktionelle Sphingomyelin-Derivate ermöglichen die nanoskopische Bildgebung der Sphingomyelin-Dynamik in physiologischen und Infektionsprozessen mittels Expansionsmikroskopie“, bieten eine Methode, um die Aktivität von Sphingomyelinasen sichtbar zu machen – ein Prozess, der bisher nur schwer zu beobachten war.
Dieser Fortschritt könnte zu neuen antiinfektiven oder immuntherapeutischen Behandlungen führen. Das Werkzeug ermöglicht eine bessere Verfolgung der Sphingomyelin-Dynamik, die bei Infektionen eine entscheidende Rolle spielt. Die Forschung eröffnet damit neue Wege, um verwandte Krankheiten besser zu verstehen und zu bekämpfen.






