Nach 30 Jahren: Der Mummelsee-König verabschiedet sich aus der Schwarzwald-Sage
Anto LehmannNach 30 Jahren: Der Mummelsee-König verabschiedet sich aus der Schwarzwald-Sage
Seit 30 Jahren verkörpert Hermann Müller die Sagenwelt des Schwarzwalds als Mummelsee-König – eine geheimnisumwitterte Figur aus den Legenden der Region. Bekleidet mit Schilfgras, auf Stelzen stehend und mit einer Krone geschmückt, wandelt er am Ufer des Mummelsees entlang und begeistert Besucher mit Geschichten von Nixen und unterirdischen Kristallpalästen. Doch nun steht die Tradition vor einer ungewissen Zukunft, denn Müller bereitet sich auf seinen Rückzug vor.
Die Sage vom Mummelsee erzählt von schönen Nixen, den sogenannten Mummleins, die nachts auf den Wiesen tanzen. Sie sollen in einem gläsernen Palast unter dem See leben, beherrscht vom Mummelsee-König – einem Geist, der über die Gewässer wacht. Einst warnten Einheimische davor, Steine in den See zu werfen, da dies den Zorn des Königs heraufbeschwöre und heftige Stürme auslöse.
Seit Jahrzehnten gibt Hermann Müller dieser mythischen Gestalt ein Gesicht. Sein Kostüm besteht aus einem Mantel aus Segras, einer Dreizackgabel und einer hoch aufragenden Krone, während ihn die Stelzen überlebensgroß erscheinen lassen. An sonnigen Tagen zieht er seine Runden um den See, schreckt scherzhaft Erwachsene auf – doch für die Kinder hat er stets Süßigkeiten parat. Besucher lassen sich gerne mit ihm fotografieren und nehmen so ein Stück der Legende mit nach Hause.
Vor zwei Jahren kündigte Müller an, sich aus der Rolle zurückzuziehen. Sein Enkel Ben überlegt nun, ob er das Erbe antreten soll. Doch die Zukunft der Tradition bleibt ungewiss. Selbst das Hotel, in dem das Kostüm aufbewahrt wird, wurde nie öffentlich genannt – es bleibt offen, wie oder ob die Figur des Mummelsee-Königs weiterleben wird.
Müllers Abschied markiert das Ende einer Ära für die lebendige Sagenwelt des Mummelsees. Sollte Ben die Nachfolge nicht antreten, könnte der See seinen König verlieren – und mit ihm ein geliebtes Stück regionaler Kultur. Noch immer streift die grasumhüllte Gestalt am Ufer entlang, doch ihre Tage dort könnten bald gezählt sein.






