Maskenskandal: Wie Organisationschaos bei Fiege Milliardenklagen auslöste
Kuno GeislerMaskenskandal: Wie Organisationschaos bei Fiege Milliardenklagen auslöste
Ein neuer Bericht der Unternehmensberatung EY deckt gravierende Versäumnisse bei den Maskenbeschaffungsverträgen Deutschlands während der Pandemie auf. Der Logistikdienstleister Fiege wird darin beschuldigt, durch schwerwiegende Organisationsmängel zu massiven Störungen geführt zu haben – mit der Folge von Zahlungsverzögerungen und Klagen betroffener Lieferanten. Die Affäre wirft erneut Fragen zur Rolle des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn auf, der heute stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU ist.
Während der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung Fiege mit der Abwicklung der Maskenlieferungen und -zahlungen beauftragt. Doch wie die EY-Untersuchung zeigt, waren die Unterlagen des Unternehmens unvollständig, wurden zu spät vorgelegt und wiesen zahlreiche Fehler auf. Dadurch war es für die Behörden kaum möglich, Verträge fristgerecht zu kündigen.
Vor den Lagern von Fiege stauten sich Lkw, weil die Koordination mangelhaft war. Lieferungen trafen ohne vorherige Ankündigung ein, eingehende Masken wurden nicht korrekt erfasst. Die Folge: Zahlungen an die Lieferanten verzögerten sich massiv. Mittlerweile klagen über 100 Unternehmen auf Milliardenbeträge für ausstehende Rechnungen gegen den Staat.
Die Opposition wirft dem Bundesgesundheitsministerium vor, die Pannen bei Fiege vertuscht zu haben. Zudem wird kritisiert, dass Spahn – trotz seiner damaligen Verantwortung – keine politischen Konsequenzen tragen musste. Die Grünen reichten 90 Fragen zum Fall ein, doch die Antworten der Regierung blieben vage.
Laut EY-Bericht war den Behörden bekannt, dass Lieferanten wegen der Zahlungsverzögerungen und Verzugszinsen klagten. Dennoch wurden keine Konsequenzen gegen die Verantwortlichen gezogen.
Der Maskenskandal hält die Debatte über mangelnde Rechenschaftspflicht und Intransparenz weiter am Köcheln. Während Lieferanten weiterhin rechtlich gegen den Staat vorgehen, wächst der politische Druck wegen des Umgangs mit den Verträgen. Die Bundesregierung hat die vollen finanziellen und operativen Folgen der Affäre bis heute nicht umfassend aufgearbeitet.






