15 March 2026, 06:15

"Komische Vögel": Wenn Ornithologie auf NS-Geschichte und schrillen Humor trifft

Ein aufgeschlagenes Buch mit Illustrationen von Vögeln im Flug und Menschen, die zu ihnen aufschauen.

"Komische Vögel": Wenn Ornithologie auf NS-Geschichte und schrillen Humor trifft

"Komische Vögel": Ein schriller Theaterabend über Vogelkunde, Geschichte und die Absurdität des Menschen

Am TD Berlin hat ein neues Stück über Ornithologie und die Eigenheiten der Vogelbeobachtung Premiere gefeiert. "Komische Vögel", inszeniert von Vanessa Stern, verbindet scharfsinnigen Humor mit pointierten Reflexionen über Wissenschaft, Geschichte und die Kulturwelt. Die Produktion ist noch am 21., 22. und 23. November zu sehen und bietet dem Publikum eine Mischung aus Witz und selbstkritischem Theater.

Auf der Bühne schlüpfen drei Schauspielerinnen – Mira Partecke, Verena Unbehaun und Stern selbst – in überzeichnete Rollen: die naive Neueinsteigerin, die abgebrühte Routinierin und die autoritäre Anführerin. Ihre Kostüme und Requisiten, von Vogelfuß-Schlappen bis zu ausgeklappten Leitern, verstärken die surreale, doch treffsichere Atmosphäre des Stücks.

Was zunächst als leichtfüßige Absurdität beginnt – ein Trio besessener Hobbyornithologinnen –, nimmt eine ernste Wendung, sobald das Thema auf die nationalsozialistische Vereinnahmung der Vogelkunde kommt. Während der NS-Zeit ließen Ideologen wie Heinrich Himmler den wissenschaftlich korrekten Namen des Tafelenten-Männchens (Flügeltaucher) in "Thors Huhn" umtaufen – eine pseudowissenschaftliche Umdeutung im Dienst germanischer Mythologie. Moderne Ornithologen weisen solche Manipulationen heute als Propaganda zurück, doch die Episode steht exemplarisch dafür, wie Wissenschaft für politische Zwecke instrumentalisiert wurde.

Unbehauns Figur zitiert aus den Aufzeichnungen von Günther Niethammer, einem SS-Offizier und Ornithologen, der in Auschwitz stationiert war. Dieser historische Exkurs leitet über zu einer Debatte über die Ethik von Wissenschaft unter totalitären Regimen. Doch das Stück verweilt nicht im Düstern: Mit improvisatorischen Einlagen und übertriebenen Requisiten kehrt es zur Satire zurück und nimmt aktuelle Kulturförderungsdebatten aufs Korn – etwa die Haushaltsverhandlungen für 2026/2027.

Jenseits der Politik karikiert "Komische Vögel" auch die moderne Entfremdung von der Natur. Die Schauspielerinnen persiflieren die digitale Abhängigkeit und die Kuriosität analoger Rituale wie die Vogelbeobachtung in einer zunehmend virtualisierten Welt. Mit schnellem Dialog und slapstickhafter Körpersprache fesseln sie das Publikum, während sie es zugleich dazu anregen, über die Prägung selbst der harmlosesten Hobbys durch Geschichte und Ideologie nachzudenken.

Die letzten Vorstellungen am TD Berlin enden mit einem Mix aus Lachen und nachhallenden Fragen. Indem es ornithologische Geschichte, NS-Pseudowissenschaft und zeitgenössische Kultursatire verknüpft, hinterlässt "Komische Vögel" einen bleibenden Eindruck – als unterhaltsames wie zum Nachdenken anregendes Theatererlebnis. Karten für die restlichen Aufführungen am 21., 22. und 23. November sind noch erhältlich.

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