17 March 2026, 16:19

Grimme-Online-Award: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung aus Protest ab

Plakat mit einem Zitat aus "Building a Better America", das soziale Medien-Plattformen für Experimente an Kindern zu Geldzwecken kritisiert, dekoriert mit Sternen.

Grimme-Online-Award: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung aus Protest ab

Eklat bei der Grimme-Online-Award-Verleihung 2023: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung ab

Die Verleihung des Grimme Online Awards 2023 sorgte für Aufsehen, nachdem zwei Gewinner ihre Preise aus Protest zurückwiesen. Die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block verließen die Bühne ohne ihre Trophäe – als Zeichen des Widerspruchs gegen die Aberkennung eines Preises für die Journalistin Judith Scheytt. Der Streit hatte bereits Monate zuvor begonnen, als Scheytts Auszeichnung nach Kritik an ihren Äußerungen zu Migration und Islamismus zurückgenommen worden war.

Zu den weiteren Preisträgern zählten Social-Media-Projekte, die sich mit Gesundheit, Behindertenrechten und politischer Transparenz beschäftigen. Ausgezeichnet wurden unter anderem die Kanäle Gynaekollege, Femizide stoppen sowie der Podcast Parlamentsrevue, die komplexe Themen verständlich aufbereiten.

Hintergrund des Konflikts Im Oktober 2023 hatte Judith Scheytt den Grimme Online Award für ihre Berichterstattung erhalten. Zwei Monate später zog der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, eine unabhängige Förderorganisation, die Auszeichnung zurück. Als Begründung wurde öffentliche Kritik an Scheytts Aussagen zu Migration und Islamismus genannt – doch nicht alle Jurymitglieder unterstützten diese Entscheidung.

Protest auf der Bühne Bei der Verleihung 2024 betraten die Filmemacher Moritz Riesewieck und Hans Block die Bühne, um ihren eigenen Preis entgegenzunehmen. Statt ihn anzunehmen, stellten sie die Trophäe auf das Podium und verließen wortlos den Saal. Block bezeichnete die Aberkennung von Scheytts Auszeichnung später als "massiven Angriff auf die Unabhängigkeit von Jury-Entscheidungen", ausgelöst durch externen Druck. Riesewieck warf der Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu vor, sich der Verantwortung zu entziehen.

Gespaltene Öffentlichkeit Die Reaktionen fielen kontrovers aus: Kritiker, darunter konservative Medien und Nutzer in sozialen Netzwerken, warfen dem Verein Zensur und politische Einmischung vor. Befürworter der Entscheidung hielten die Rücknahme für notwendig – angesichts von Scheytts umstrittenen Positionen. Bis Anfang 2026 ebbte die Debatte zwar ab, doch in einigen Kreisen blieb Misstrauen gegenüber Kulturinstitutionen bestehen.

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Digitale Projekte im Fokus Jenseits des Eklats würdigte die Verleihung digitale Formate, die sich mit Gesundheit, Lebensstil und sozialen Themen beschäftigen. Zu den Gewinnern zählten: - Gynaekollege, ein Instagram-Kanal des Gynäkologen Mertcan Usluer, der medizinische Aufklärung betreibt, - die Initiative Femizide stoppen, die Femizide dokumentiert, - das Kollektiv Barrierebrecher, das Alltagserfahrungen von Menschen mit Behinderung teilt, - die Formate Little Monsters (WDR) und Know & Grow (SWR) zu Ernährung und persönlicher Entwicklung sowie der Podcast Parlamentsrevue, der parlamentarische Prozesse verständlich erklärt.

Folgen und Reformdebatte Nach dem Protest räumte Grimme-Direktorin Uzunoğlu ein, die Entscheidung des Vereins sei "formell nicht korrekt" gewesen. Sie kündigte an, das Verhältnis zwischen Institut und Förderverein zu überprüfen und eine breitere Debatte über die Vergabepraxis anzustoßen.

Die Verleihung endete mit einem ungelösten Konflikt über künstlerische Freiheit und institutionelle Verantwortung. Der Protest von Riesewieck und Block lenkte die Aufmerksamkeit auf die Spannung zwischen Jury-Unabhängigkeit und öffentlicher Kontrolle. Die ausgezeichneten Projekte – von Gesundheitsaufklärung bis hin zu politischer Transparenz – arbeiteten unterdessen unbeeindruckt weiter.

Uzunoğlus Versprechen, das Vergabeverfahren zu reformieren, steht noch aus. Der Vorfall wirft weiterhin Fragen auf: Wie können Kulturinstitutionen Meinungsfreiheit und gesellschaftliche Erwartungen in Einklang bringen?

Quelle