07 May 2026, 04:11

Energiereform 2026: Wie Deutschland Gas und Netze neu ordnet – auf Kosten der Ökostrom-Förderung

Plakat mit Text und Logo, das "Wir reduzieren die Treibhausgasemissionen bis 2030 um etwa eine Gigatonne" fordert.

Energiereform 2026: Wie Deutschland Gas und Netze neu ordnet – auf Kosten der Ökostrom-Förderung

Bundeswirtschaftsministerium stellt weitreichende Energiereform vor

Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium hat ein umfassendes Reformpaket vorgelegt, das die Stabilisierung der Stromversorgung und die Senkung der Energiekosten zum Ziel hat. Die Pläne umfassen den Bau neuer Gaskraftwerke, strengere Netzvorgaben sowie Änderungen bei den Förderungen für erneuerbare Energien.

Die Reformen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung den Spagat zwischen Versorgungssicherheit, dem Ausbau sauberer Energien und der Bewältigung steigender Netzkosten meistern muss.

Unter der Führung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche soll ab 2026 der Bau von Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von 12 Gigawatt ausgeschrieben werden. Diese Anlagen sollen die Netzstabilität sichern, doch ihr häufiger Einsatz im Rahmen von Redispatch-Maßnahmen hat in den vergangenen Jahren zu höheren Kosten geführt.

Um die Nutzung der deutschen Gasinfrastruktur zu verlängern, führt das Ministerium eine Quote für grünes Gas ein. Dadurch könnten Gasnetze länger betrieben werden, indem erneuerbare Gase beigemischt werden. Gleichzeitig treibt die Regierung die heimische Gasförderung voran – unter anderem durch Erkundungen in der Nähe der Nordseeinsel Borkum. Im vergangenen Jahr waren die Flüssiggas-Importe (LNG) aus den USA infolge neuer Lieferverträge um 60 Prozent gestiegen.

Die Reformvorschläge zielen auch auf Betreiber erneuerbarer Energien ab: In Regionen mit starker Netzüberlastung sollen Besitzer von Wind- und Solarparks künftig keine Entschädigung mehr erhalten, wenn ihre Einspeisung wegen Engpässen gedrosselt wird (sogenanntes Einspeisemanagement). Zudem sollen die Subventionen für neue Kleinstanlagen zur Solarstromerzeugung ab 2027 schrittweise ausgestaltet werden.

Netzbetreiber erhalten mit den neuen Regeln mehr Entscheidungsbefugnisse, etwa darüber, ob neue Anlagen ans Netz angeschlossen werden dürfen. Parallel fördert die EU im Rahmen ihrer Atomstrategie die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) mit einem 200-Millionen-Euro-Fonds.

Reiche, die zuvor als Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG und Geschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) Gaslobbyverbände leitete, steht wegen möglicher Interessenkonflikte bei der Ausgestaltung der neuen Energiepolitik in der Kritik.

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Die Reformen markieren einen Kurswechsel in der deutschen Energiewende: Während der Ausbau der Gasinfrastruktur und die Effizienz der Netze Priorität erhalten, werden bestimmte Anreize für erneuerbare Energien zurückgenommen. Die Änderungen werden Stromerzeuger, Netzbetreiber und Verbraucher gleichermaßen betreffen – die ersten Ausschreibungen für Gaskraftwerke sind in zwei Jahren geplant.

Die EU-Förderung für SMRs fügt der Energiewende eine weitere Komponente hinzu, doch Deutschland setzt kurzfristig weiterhin auf Gas als Brückentechnologie.

Quelle