Boykott gegen Berlins HKW: Warum Künstler:innen jetzt die Bühne meiden
Kuno GeislerBoykott gegen Berlins HKW: Warum Künstler:innen jetzt die Bühne meiden
Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem ein Konzert des schwäbischen Rappers Chefket abgesagt wurde. Die Entscheidung fiel nach Druck durch Kulturminister Wolfram Weimer und löste eine Welle der Empörung aus. Inzwischen verweigern fast alle deutschen Künstler:innen aus Solidarität Auftritte in dem Haus – der internationale Ruf der Institution steht auf dem Spiel.
Der Streit begann, als Chefket im HKW auftreten sollte, jedoch ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" trug, das arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels zeigte. Die Gestaltung führte zu Forderungen nach Absage, denen die Einrichtung schließlich nachgab. Diese Entscheidung empörte weite Teile der Kunstszene, darunter Musiker:innen und Aktivist:innen.
Das HKW, direkt neben dem Kanzleramt gelegen, gilt seit Langem als bedeutende Bühne für internationale Auftritte – etwa von Konzerte des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch trotz seiner kulturellen Strahlkraft wurde die Institution in den vergangenen Jahren von der Bundespolitik weitgehend ignoriert.
Die aktuelle Turbulenz folgt auf eine Phase des Umbruchs unter Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, einem kamerunischen Biologen und Kurator, der 2023 zum Intendanten des HKW berufen wurde. Als erster Leiter einer großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird, setzte Ndikung ein Programm mit Fokus auf dekoloniale, antikapitalistische und queere Themen durch. Während dieser Kurs in progressiven Kunstkreisen weltweit auf große Zustimmung stieß, zog er von konservativer Seite scharfe Kritik auf sich. Vorwürfe der ideologischen Voreingenommenheit führten 2024 und 2025 zu Finanzstreitigkeiten und Protesten.
Versuche, das Profil des HKW wieder zu stärken – etwa durch die Ausstellung "Die Möglichkeit des Unvernunft" von Jan Böhmermann –, blieben bisher ohne nachhaltigen Erfolg. Der anhaltende Boykott der Künstler:innen gefährdet nun die Fähigkeit des Hauses, künftig überhaupt noch Veranstaltungen auszurichten.
Die Absage von Chefkets Konzert hat die Gräben um die Ausrichtung des HKW weiter vertieft. Da sich nahezu alle deutschen Künstler:innen weigern, dort aufzutreten, steht die Institution vor einer ungewissen Zukunft. Die Debatte spiegelt zudem die größeren Spannungen wider, die in Berlins Kunstszene zwischen kultureller Programmgestaltung und politischem Einfluss schwelen.






