Bayerns Zank um kleine Atomreaktoren: Söder vs. Aiwanger in der Energiekrise
Jonas SeifertAiwanger zweifelt den Nutzen von Söders Mini-Kernreaktoren an - Bayerns Zank um kleine Atomreaktoren: Söder vs. Aiwanger in der Energiekrise
Bayerns Vorstoß für kleine modulare Reaktoren (SMR) stößt innerhalb der eigenen Landesregierung auf massive Skepsis. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stellt die Machbarkeit der Pläne infrage und argumentiert, weder Bayern noch Deutschland verfügten derzeit über das nötige Know-how, um solche Projekte in absehbarer Zeit umzusetzen. Seine Äußerungen kommen, während Ministerpräsident Markus Söder für den Bau eines neuen Kernreaktors wirbt, um die Energiekrise zu bewältigen.
Söders Vorschlag, einen SMR in Bayern zu errichten, zielt darauf ab, die langfristige Energieversorgung zu sichern. Doch Aiwanger bleibt überzeugt, dass es im Inland schlicht an der Fähigkeit fehlt, solche Reaktoren in naher Zukunft zu bauen. Er verwies auf Länder wie China und Russland, wo bereits erste SMR-Anlagen in Betrieb sind, während Nationen wie Großbritannien, Tschechien und Polen sich noch in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen befinden.
Aiwanger benannte zudem mehrere Hürden, die der SMR-Technologie im Weg stehen. Dazu zählen Zweifel an der Kosteneffizienz, mögliche neue Risiken durch den Betrieb einer größeren Anzahl von Anlagen sowie die Herausforderung, mit neuartigen radioaktiven Abfällen umzugehen. Selbst Reaktoren mit passiven Sicherheitssystemen könnten seiner Ansicht nach Verzögerungen und explodierende Kosten verursachen – als Beispiel nannte er das jüngste französische Projekt, dessen Bau sich über 17 Jahre hinzog und bis 2025 voraussichtlich 23,7 Milliarden Euro verschlingen wird.
Statt auf unausgereifte Atomlösungen zu setzen, forderte Aiwanger die Bundesregierung auf, sich auf dringende aktuelle Bedürfnisse zu konzentrieren. Er drängte auf den zügigen Bau von Gaskraftwerken in Bayern, um die Energieversorgung zu stabilisieren. Seine Kritik richtete sich auch gegen Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, der er vorwirft, die Energiepolitik durch neue Debatten zusätzlich zu verkomplizieren, ohne bestehende Probleme zu lösen. Aiwanger warnte zudem, dass anhaltende Unsicherheit bei der Energieversorgung das Vertrauen der Bevölkerung untergraben könnte.
Der Streit zwischen Söder und Aiwanger spiegelt die grundsätzlichen Fragen zu Deutschlands Energiestrategie wider. Während Söder auf SMR als Zukunftslösung setzt, pocht Aiwanger auf pragmatische Kurzzeitmaßnahmen. Vorerst bleibt die Energiepolitik des Freistaats zerrissen zwischen langfristigen Atomambitionen und dem akuten Bedarf an zuverlässigen Energiequellen.






