Wie ein Fotoprojekt und lokale Geschichten Männlichkeit neu definieren
Anto LehmannWie ein Fotoprojekt und lokale Geschichten Männlichkeit neu definieren
Ein neues Fotografieprojekt des bulgarischen Künstlers Valery Poshtarov stellt traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit und familiären Bindungen infrage. Seine Serie "Väter und Söhne" hält intime Porträts von Vätern und erwachsenen Söhnen fest, die sich in ganz Europa an den Händen halten. Die Bilder erkunden Verletzlichkeit, kulturelle Identität und die oft unausgesprochenen Verbindungen zwischen den Generationen.
Unterdessen feiert in Deutschland ein lokaler Fußballverein zwei Jahrzehnte Kameradschaft, ein Theater begrüßt einen neuen Direktor, und eine Frau baut sich nach Jahren der Obdachlosigkeit ein neues Leben auf. Diese Geschichten spiegeln die stillen, aber kraftvollen Veränderungen wider, die sich in Gemeinden der gesamten Region vollziehen.
Valery Poshtarovs Projekt "Väter und Söhne" begann als Versuch, emotionale Ehrlichkeit zwischen Männern zu dokumentieren. Indem er die Paare in ihrem alltäglichen Umfeld fotografiert – von ländlichen Dörfern bis zu städtischen Straßen – schafft er, was er als "visuelle Anthropologie" bezeichnet. Jedes Porträt offenbart persönliche Geschichten und hebt gleichzeitig die kulturellen Unterschiede in Europa hervor. Die bewusste Entscheidung, körperliche Nähe zu zeigen – etwas, das in traditionellen Männlichkeitsbildern oft vermieden wird –, zwingt die Betrachter, ihre Vorstellungen von Intimität und Stärke zu hinterfragen. Das Buch "bodo", das diese Aufnahmen zusammen mit persönlichen Erzählungen versammelt, erscheint am 1. Oktober.
In Castrop-Rauxel spielt eine Hobby-Fußballmannschaft seit über 20 Jahren zusammen. Micky Beisenherz ist einer ihrer prägendsten Spieler – ein Symbol für die Treue und gemeinsame Leidenschaft, die die Gruppe zusammenhält. Ihre langjährige Verbundenheit spiegelt, wenn auch in einem anderen Kontext, die Themen von Poshtarovs Arbeit wider.
Anderswo in Nordrhein-Westfalen ist Birgit gerade in ihre erste eigene Wohnung gezogen – nach fast vier Jahren ohne festes Dach über dem Kopf. Zuvor war sie auf Notunterkünfte angewiesen, doch ihr neuer Lebensabschnitt markiert einen Wendepunkt. Ihre Geschichte steht für Widerstandsfähigkeit und erinnert an die oft übersehenen Kämpfe und kleinen Siege im städtischen Alltag.
Auch im Theater gibt es Veränderungen: Thorsten Bihegue hat die Leitung des Jungen Schauspielhauses Bochum übernommen. Als Nachfolger von Cathrin Rose hat er nun seine erste Spielzeit eröffnet. Seine Amtszeit folgt auf Jahre kreativer Prägung durch seine Vorgängerin und leitet ein neues Kapitel für die Institution ein.
Seit sechs Jahren organisiert Thomas Koch Veranstaltungen, die den Dialog zwischen Fremden fördern sollen. Seine Reihe ermutigt die Teilnehmer, zuzuhören, sich auszutauschen und aufeinander einzugehen – in einer Zeit, in der öffentliche Debatten oft von Spaltung geprägt sind. Die Treffen bieten einen seltenen Raum für Verbindung, ähnlich den Beziehungen, die Poshtarov in seinen Fotografien einfängt.
Ein weiterer kultureller Beitrag ist die Ausstellung und das Buch "DortmUnderground 1978–1998", die einen ungeschönten Blick auf zwei turbulente Jahrzehnte inDortmund* werfen. Durch Archivbilder und persönliche Berichte dokumentiert das Projekt die Underground-Szene der Stadt – von Musik und Protest bis hin zu alltäglichem Widerstand. Es erinnert daran, wie Subkulturen Identität und Gemeinschaft über die Zeit hinweg prägen.
Poshtarovs "Väter und Söhne" wird im Oktober mit dem Erscheinungstermin des Buches ein breites Publikum erreichen, während die Ausstellung "DortmUnderground" weiterhin die Vergangenheit Dortmunds ins Bewusstsein ruft. Birgits Umzug in eine stabile Wohnung und Bihegues erste Spielzeit am Schauspielhaus stehen für persönliche und berufliche Meilensteine in der Region. Gemeinsam zeichnen diese Geschichten – ob durch Kunst, Sport oder den Alltag – ein Bild von Verbindung, Wandel und der stillen Kraft, die in menschlichen Beziehungen liegt.






