Wie ein Dorf zur Kulturperle wurde: Netzebands magischer Theatersommer
Kuno GeislerWie ein Dorf zur Kulturperle wurde: Netzebands magischer Theatersommer
Aus dem stillen Dorf Netzeband wurde ein kultureller Hotspot – dank seines jährlichen Sommerfestivals. Der Theatersommer, gegründet vom Schauspieler und Regisseur Frank Matthus, verwandelt die Gegend in eine Freilichtbühne für Stücke wie Dylan Thomas’ Unter dem Milchwald. Von Mitte Juni bis Ende August zieht das Festival Besucher in sein einzigartiges Ambiente.
Netzebands Aufschwung begann mit Matthus und seinem verstorbenen künstlerischen Partner Jürgen Heidenreich. Gemeinsam schufen sie den Theatersommer, der heute denselben Kultstatus anstrebt wie Salzburgs Jedermann oder die Oberammergauer Passionsspiele. Das Dorf selbst wird zur Bühne für Unter dem Milchwald – mit dem Namen „LLAREGGUB“ in großen weißen Lettern.
Das Stück präsentiert über vier Meter hohe Figuren, die die Dorfbewohner darstellen. Lautsprecher übertragen ihre inneren Monologe und verleihen der Aufführung eine surreale Note. Der Landschaftsarchitekt Horst Wagenfeld formte die Erde zu einem grasbewachsenen Amphitheater um und rettete dabei auch die örtliche Kirche und die Dorfkneipe.
Doch nicht nur die Kultur blüht: Die nahegelegene Kyritz-Ruppiner Heide, einst Militärübungsplatz, beherbergt heute 79 Vogelarten, davon 28 gefährdete. Wer mit dem Zug anreist, wird am Regionalexpress-Bahnhof Netzeband von einem Chor aus Vogelgesang empfangen. Unterdessen bereitet sich der in den USA geborene Tenor J. Warren Mitchell auf ein Konzert in der Temnitz-Kirche vor – ein weiterer kultureller Höhepunkt.
Festival und Umgebung verbinden Kunst und Natur. Der Theatersommer Netzeband wächst stetig und lockt mit mutigen Inszenierungen und malerischer Kulisse. Die Verwandlung vom verschlafenen Dorf zur Kulturperle ist in vollem Gange.
