30 April 2026, 14:21

Streit um Hochhausneubau in Schwabing: Geschichte vs. Moderne

Eine detaillierte Abbildung einer alten Buchseite, die eine Stadtansicht mit Gebäuden und begleitendem Text zeigt.

Streit um Hochhausneubau in Schwabing: Geschichte vs. Moderne

Ein geplanter Hochhausneubau im Münchner Stadtteil Schwabing hat eine Debatte über sein Design und die historische Sensibilität des Standorts ausgelöst. Das von den Architekten von OSA vorgesehene, zwölfstöckige gekrümmte Gebäude soll auf dem Gelände der ehemaligen Lederfabrik Hesselberger entstehen – einem Ort mit tiefen Bezügen zur jüdischen Geschichte. Während lokale Politiker das Projekt unterstützen, äußern Denkmalschützer massive Bedenken.

Unterdessen wird der zukünftige Apple-Campus in der Nähe einen schlichten, monochromen Durchgang für Mitarbeiter umfassen, der das Gelände mit der U-Bahn-Station Stiglmaierplatz verbindet.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die ehemalige Lederfabrik Hesselberger in der Isarring 11. Während der NS-Zeit diente das Gebäude als Ausbildungsstätte für jüdische Jugendliche, bevor der Besitzer 1941 deportiert wurde. Denkmalschutzbehörden argumentieren, dass ein Hochhaus diese Geschichte überlagern und die geschützte Bausubstanz beeinträchtigen würde.

Der Entwurf von OSA sieht einen zwölfgeschossigen, geschwungenen Turm vor, der sich über die alte Ziegelfabrik erhebt. Die Münchner Kommission für Stadtgestaltung und der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann zeigen sich offen für die Idee und schlagen entweder einen Architekturwettbewerb vor oder belassen das Gelände unbebaut. Fabian Ochs vom Architekturbüro Ochs Schmidhuber brachte einen Alternativvorschlag ein: den Hochhausneubau nicht auf, sondern neben dem historischen Gebäude zu errichten.

Die Baureferentin Elisabeth Merk plant, mit der Israelitischen Kultusgemeinde, Politikern und Denkmalschutzexperten nach einer ausgewogenen Lösung zu suchen. Die zukünftige Nutzung des Geländes könnte vielfältig sein – etwa mit einem Kindergarten im Untergeschoss, einem Fitnessstudio auf dem Dach und einem Café in der Nähe eines Wasserbeckens, um abendliche Belebung zu fördern.

In unmittelbarer Nähe wird Apples neuer Campus einen schmalen, monochromen Durchgang umfassen, den das Architekturbüro Henn entworfen hat. Mitarbeiter sollen diese Passage nutzen, um zwischen der U-Bahn-Station Stiglmaierplatz und ihrem Arbeitsplatz zu pendeln.

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In Obersendling entstehen zudem zwei weitere Gebäude – ein Hotel und ein Boardinghouse – neben dem ehemaligen Siemens-Hochhaus, die sich architektonisch in das bestehende Stadtbild einfügen sollen.

Der Hochhausvorschlag bleibt vorerst in der Schwebe, während die Diskussionen zwischen Denkmalschützern, Architekten und lokalen Verantwortlichen andauern. Bei einer Genehmigung könnte das Projekt den Standort prägen und gleichzeitig seine Vergangenheit würdigen. Apples Campus und die Neubauten in Obersendling deuten unterdessen auf das anhaltende Wachstum der Münchner Stadtlandschaft hin.

Quelle