Stichwahl-Debatte in Dorfen: Bürger entscheiden über Zukunft der schrumpfenden Stadt
Jonas SeifertStichwahl-Debatte in Dorfen: Bürger entscheiden über Zukunft der schrumpfenden Stadt
Über 300 Bürger versammelten sich zur Stichwahl-Debatte um das Dorfener Bürgermeisteramt – tausende verfolgten die Übertragung online
Die Veranstaltung, die live an ein Publikum von mehreren tausend Zuschauern übertragen wurde, offenbarten tiefe Gräben bei zentralen kommunalen Themen. Die beiden Kandidaten – Amtsinhaber Heinz Grundner (CSU) und Herausforderer Claudius Siebert (unterstützt von einer Koalition aus UWG, LDW, SPD und Grünen) – lieferten sich eine kontroverse Auseinandersetzung über Verkehrspolitik, Infrastruktur und den schwindenden Einwohnerbestand der Stadt.
Seit 2022 ist die Einwohnerzahl Dorfens um etwa zwei Prozent gesunken: von 14.500 auf 14.200 Anfang 2026. Eine überalterte Bevölkerung, geringe Geburtenraten und die Abwanderung in Großstädte wie München verschärfen den Druck auf die anstehende Führungsentscheidung.
Streitpunkt Freibad: Sanieren oder verlegen? Der hitzigste Disput drehte sich um das Dorfener Freibad. Grundner plädierte für einen Umzug des Bades und verwies auf einen wachsenden Sanierungsstau sowie verschärfte Lärmschutzauflagen. Siebert hingegen setzte sich für kreative Lösungen ein, um den Standort zu erhalten, und schlug vor, die Lärmproblematik durch gezielte Maßnahmen zu entschärfen.
Verkehrskonzept: Ringstraße oder Stillstand? Auch bei der Verkehrspolitik gingen die Meinungen auseinander. Beide Kandidaten waren sich einig, dass die geplante Umgehungsstraße an der Mehlmühle die Staus nicht entscheidend entlasten werde. Uneinig waren sie sich jedoch über den Bau einer vollständigen Ringstraße. Grundner kritisierte die jüngste Weigerung des Stadtrats, die Unterhaltung der Staatsstraße 2086 zu übernehmen, und bezeichnete dies als "Jahrhundertchance vertan". Siebert konterte mit dem Vorwurf mangelnder Kostentransparenz bei der damaligen Entscheidung.
Flächennutzung: Vorwürfe und Schweigen Aggressiv positionierte sich Siebert in der Frage der Bodenpolitik. Er behauptete, persönlich mit Grundbesitzern in Rutzmoos verhandelt zu haben, bevor der Kreistag den Schutzstatus des Gebiets aufhob. Grundner ging auf diese Aussage während der Debatte nicht ein.
Dynamisches Format, klare Positionen Das Debattenformat sorgte für Tempo: Ja/Nein-Runden und eine "Wortwolke" zwangen die Kandidaten zu präzisen, unverblümten Antworten. In ihren Schlussstatements betonten beide ihr uneingeschränktes Engagement für die Zukunft der Stadt und den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Demografischer Wandel als Hintergrund Hinter den politischen Kontroversen zeichnen sich Dorfens strukturelle Probleme ab: Wohnungsmangel und wirtschaftliche Belastungen gelten als Hauptgründe für den Bevölkerungsrückgang. Immer mehr Einwohner ziehen in größere Städte, während die Geburtenrate niedrig bleibt. Der nächste Bürgermeister steht damit vor schwierigen Weichenstellungen.
Rekordbeteiligung – die Entscheidung fällt in der Stichwahl Die Debatte verzeichnete eine außergewöhnlich hohe Resonanz: Über 6.300 Klicks im Livestream und ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal. Dorfens künftiger Bürgermeister erbt drängende Herausforderungen – von der alternden Bevölkerung über Verkehrsinfarkte bis hin zu Konflikten um öffentliche Räume. Das Ergebnis der Stichwahl wird zeigen, wer die Stadt nach Jahren des Niedergangs in eine neue Richtung lenken darf.






