Neue Agrarregeln 2027: Entlastung für kleine Betriebe, Streit um Ökosysteme bleibt
Jonas SeifertNeue Agrarregeln 2027: Entlastung für kleine Betriebe, Streit um Ökosysteme bleibt
Bund und Länder haben sich in Teilen auf neue Agrarregeln geeinigt, um Landwirten vor der Düngesaison 2027 klarere Vorgaben an die Hand zu geben. Zu den zentralen Änderungen zählen Ausnahmen für kleinere Betriebe und verlängerte Fristen für die Umwandlung von Grünland. Tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen jedoch weiterhin beim EU-Gesetz zur Renaturierung von Ökosystemen sowie bei Tierwohl-Fördermitteln für die Viehhaltung.
Ab dem 1. Januar 2026 entfallen für Betriebe unter 30 Hektar die Kontrollen und Sanktionen zur Fruchtfolge nach GLÖZ 7 – rückwirkend. Damit soll der Druck auf kleinere Landwirte verringert werden. Ökobetriebe sind bereits seit Jahresbeginn von den meisten GLÖZ-Vorgaben befreit.
Für die Umwandlung von Grünland wurde ein Stichtag festgelegt: Werden Flächen bis zum 1. Januar 2026 als Ackerland ausgewiesen, müssen Landwirte dauerhaftes Grünland oder Kleegrasfelder nicht umbrechen. Zudem verlängert sich die bisherige Fünfjahresfrist für Umwandlungen auf sieben Jahre. Im Pflanzenschutz darf Brachland nach GLÖZ 6 künftig gezielt gegen Schädlinge wie die Schilf-Glasflügelzikade eingesetzt werden.
In anderen Punkten blieb die Einigung jedoch aus. Bayern und weitere unionsgeführte Länder – darunter Agrarministerin Michaela Kaniber – forderten die vollständige Abschaffung der EU-Naturrestaurierungsverordnung. Sie richteten offizielle Schreiben an die EU-Kommission und den Bundeslandwirtschaftsminister. Gleichzeitig endeten die Verhandlungen über Fördergelder für die Modernisierung von Stallanlagen, die der Tierwohlverbesserung dienen sollen, ergebnislos.
Als nächster Schritt soll eine Arbeitsgruppe auf der Herbst-Agrarministerkonferenz Ende September eine Düngestrategie vorlegen. Damit wollen die Verantwortlichen weitere Klarheit vor 2027 schaffen.
Die getroffenen Vereinbarungen bringen für Landwirte in Sachen Grünland und Fruchtfolge zwar etwas Rechtssicherheit. Doch die Ablehnung der EU-Naturrestaurierungsverordnung durch mehrere Länder sowie die ungelösten Debatten um Tierwohlsubventionen lassen zentrale Politikbereiche in der Schwebe. Die anstehende Düngestrategie könnte vor der nächsten Aussaat weitere Lücken schließen.






