03 April 2026, 01:06

Merz fordert Europas militärische Eigenständigkeit – und warnt vor Chinas Aufstieg

Eine Karte, die die 73-jährige Erweiterung der Nordatlantischen Vertragsorganisation (NATO) von 1949 bis heute zeigt, mit farblich kodierten Regionen nach Jahren und informativem Text oben.

Merz fordert Europas militärische Eigenständigkeit – und warnt vor Chinas Aufstieg

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert Europa zu größerer militärischer Unabhängigkeit von den USA auf

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Europa aufgefordert, seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern und eine stärkere militärische Eigenständigkeit aufzubauen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz warnte er, dass Chinas wachsende Macht bald an die Vorherrschaft Amerikas heranreichen könnte. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die europäische Verteidigungspolitik nach wie vor eng mit der transatlantischen Zusammenarbeit verknüpft ist – und nicht mit Selbstversorgung.

Merz kritisierte die langjährige Abhängigkeit Europas von den USA als eine selbstauferlegte Schwäche. Er schlug vor, innerhalb der NATO eine stärkere europäische Säule zu schaffen – eine, die bei Bedarf eigenständig handeln kann. In seinen Ausführungen hob er Chinas systematischen Aufstieg hervor und betonte, dass dessen globale Ambitionen seit Jahrzehnten strategisch vorbereitet werden.

Seit den 2010er-Jahren hat die EU keine einheitliche Strategie für militärische oder wirtschaftliche Autonomie entwickelt. Stattdessen haben die europäischen NATO-Mitglieder – darunter auch Deutschland – ihre Fähigkeiten in der Arktis in Abstimmung mit den USA ausgebaut. Eine für 2026 geplante Aufklärungsmission in Grönland, an der Dänemark, Finnland, Frankreich, die Niederlande, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich beteiligt sind, dient explizit amerikanischen Interessen, um Russland und China entgegenzutreten.

Wirtschaftliche Verschiebungen haben dazu geführt, dass die EU der Ukraine erhebliche Unterstützung zukommen lässt, darunter 90 Milliarden Euro an Krediten, was die europäische Rüstungsproduktion angekurbelt hat. Deutschland belegt 2024 weltweit den vierten Platz bei den Verteidigungsausgaben. Dennoch bleiben diese Bemühungen auf transatlantische Partnerschaften ausgerichtet, statt sich von der amerikanischen Einflussnahme zu lösen. Nationale Initiativen wie die geplanten Wehrreformen in Österreich zielen eher auf innere Sicherheit ab als auf einen breiteren EU-weiten Schub zur Unabhängigkeit.

Merz' Appell für ein autonomeres Europa spiegelt die Sorgen über sich wandelnde globale Machtverhältnisse wider. Zwar sind die Verteidigungsausgaben und strategischen Missionen gewachsen, doch bewegen sie sich weiterhin im Rahmen einer von den USA geführten Struktur. Die Herausforderung bleibt, ob Europa eine eigene kohärente Strategie entwickeln kann – oder ob die Abhängigkeit von transatlantischen Bindungen bestehen bleibt.

AKTUALISIERUNG

European leaders adjust strategy amid Trump's policies

Since Merz's February speech, European nations have taken concrete steps to address transatlantic tensions. Key developments include:

  • EU member states accelerating national defense reforms to reduce reliance on US-led initiatives.
  • The new security order under Trump prompting Germany to revise its Arctic mission priorities.
  • Austrian officials confirming plans to integrate cyber-defense training into military reforms by 2027.