Erlangen verbietet Partyschlager: Sexistische Lieder auf der schwarzen Liste
Jonas SeifertErlangen verbietet Partyschlager: Sexistische Lieder auf der schwarzen Liste
Der Stadtrat von Erlangen hat klassische Partyschlager auf eine schwarze Liste gesetzt, auf der Lieder als sexistisch oder beleidigend eingestuft werden. Der Beschluss erfolgte nach einer Beschwerde einer Frau, die sich beim Bergkirchweih-Fest im vergangenen Jahr unwohl gefühlt hatte. Zu der diesjährigen Veranstaltung in der bayerischen Stadt werden fast eine Million Besucher erwartet – das traditionelle Volksfest findet jährlich statt.
Auslöser für die Maßnahme war der Vorfall einer Besucherin, die 2023 von aufdringlichen Männern begrapscht worden war. Sie kritisierte zudem die gespielte Musik, die ihrer Meinung nach zu einer unwillkommenen Atmosphäre beitrug. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer“ Titel.
Lieder wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Mickie Krause und Peter Wackel wurden wegen „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beanstandet. Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 eine Resolution gegen solche Inhalte verabschiedet. Die Verantwortlichen betonen jedoch, es gehe nicht um ein Verbot, sondern darum, Besucher zu schützen, die beleidigende Texte meiden möchten.
Wirtshausbesitzer zweifeln indes an der Umsetzbarkeit der Liste. Einige Künstler zeigen sich verunsichert und zögern nun, in Deutschland aufzutreten. Die Stadtverwaltung versichert, die Richtlinien sollten Tradition und Respekt gegenüber allen Gästen in Einklang bringen.
Die Schwarze Liste gilt für das diesjährige Bergkirchweih-Fest, bei dem die Organisatoren nun abwägen müssen, welche Lieder gespielt werden. Zwar sieht die Regelung keine pauschalen Verbote vor, doch sie spiegelt eine zunehmende Debatte über Festivalkultur wider. Die Entscheidung könnte künftig auch andere Veranstaltungen beeinflussen, wie sie ihre Musikauswahl handhaben.






