Deutsche Industrie kämpft mit historischer Wettbewerbsfähigkeitskrise seit 1991
Bert BiggenIndustrie sieht Wettbewerbsfähigkeit auf Rekordtief - Deutsche Industrie kämpft mit historischer Wettbewerbsfähigkeitskrise seit 1991
Die deutsche Industrie steckt in der schwersten Wettbewerbsfähigkeitskrise seit mehr als drei Jahrzehnten. Neue Daten des ifo Instituts zeigen, dass im Oktober 2023 36,6 Prozent der Unternehmen einen Rückgang verzeichneten – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1991. Experten warnen, dass ohne tiefgreifende Reformen die wirtschaftliche Position des Landes weiter schwächen könnte.
Die jüngste Umfrage des Münchner ifo Instituts offenbart einen deutlichen Anstieg der Sorgen in zentralen Branchen. Noch im Juli 2023 fühlten sich nur 24,7 Prozent der Firmen weniger wettbewerbsfähig, doch bis Oktober stieg dieser Anteil auf 36,6 Prozent. Selbst im europäischen Vergleich sehen sich mittlerweile mehr deutsche Unternehmen im Rückstand: Der Anteil der Betriebe, die einen Rückgang melden, kletterte von 12 auf 21,5 Prozent.
Besonders betroffen sind einige Sektoren. In der chemischen Industrie gibt über die Hälfte der Unternehmen an, an Boden verloren zu haben. Auch die Branche für elektronische und optische Erzeugnisse ist hart getroffen – 47 Prozent der Hersteller verzeichnen einen Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit. Der Maschinenbau folgt mit rund 40 Prozent dichtauf.
Ein zentraler Faktor für diesen Niedergang sind die Energiekosten. In den vergangenen fünf Jahren lagen die Preise in Deutschland durchgehend über denen in den USA und China, bedingt auch durch die Energiewende. Zwar haben erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom bis 2030 den Großhandelspreis um bis zu 23 Prozent gedrückt, doch energieintensive Industrien stehen weiterhin unter erheblichem Druck. Die Bundesregierung hat mit Maßnahmen reagiert, um den Ausbau der Erneuerbaren voranzutreiben – mit dem Ziel, die Märkte zu stabilisieren, Importabhängigkeiten zu verringern und Strom bezahlbarer zu machen.
Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, sieht tiefe strukturelle Probleme als Ursache der Krise. Er betont, dass Deutschland ohne umfassende Reformen im globalen Wettbewerb weiter zurückfallen könnte.
Die Zahlen vom Oktober 2023 markieren einen historischen Tiefpunkt für die deutsche Industrie. Da Schlüsselbranchen wie Chemie, Elektronik und Maschinenbau deutliche Einbußen melden, wird der Handlungsbedarf immer dringender. Zwar könnte der staatliche Schub für erneuerbare Energien die Kostendrucks etwas lindern, doch werden wohl weiterreichende Wirtschaftsreformen nötig sein, um den Abwärtstrend umzukehren.






