Caren Jess' Bookpink feiert düster-komische Premiere am Deutschen Theater Berlin
Jonas SeifertCaren Jess' Bookpink feiert düster-komische Premiere am Deutschen Theater Berlin
Caren Jess' neues Stück Bookpink – Neu eingetroffen feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin
Unter der Regie von Jorinde Dröse hat Caren Jess' aktuelles Werk Bookpink – Neu eingetroffen am Berliner Deutschen Theater Premiere gefeiert. Die Inszenierung knüpft an ihren preisgekrönten Erfolg von 2023 an, Die Katze Eleonore, der beim Dresdner Theatertreffen triumphierte. Diesmal entfaltet sich die Handlung in drei düster-komischen Szenen, die das Publikum zwischen Wehmut und Schock zurücklassen.
Den Auftakt bildet die Familie Adler, deren nationalistische Überzeugungen im Verlauf der Szene immer radikaler zutage treten. Dieses erste Tableau setzt einen Ton der Spannung und ideologischen Zerrissenheit.
Im zweiten Akt rückt eine Kolibri-Influencerin in den Fokus, deren Schicksal eine tragische Wendung nimmt. Ein fehlgeschlagener Sterilisationseingriff offenbart die Zerbrechlichkeit des Lebens unter menschlicher Kontrolle – selbst für Wesen mit Fell, Federn oder Krallen.
Die letzte Szene zeigt einen Zilpzalp, der einen gefangenen Kanarienvogel befreit, bis später eine menschliche Figur erscheint. Dieser Moment unterstreicht das zentrale Thema des Stücks: Tiere bleiben trotz ihrer natürlichen Abwehrmechanismen in menschlichen Systemen gefangen oder werden von ihnen verletzt. Kathrin Froschs mutige Kostüme und das popartige Bühnenbild verstärken die lebendige, doch beunruhigende Energie der Inszenierung.
Wie bereits in Die Katze Eleonore – wo sich eine Frau in eine Katze verwandelt, um dem Druck des menschlichen Daseins zu entfliehen – untersucht Bookpink – Neu eingetroffen Anpassungskämpfe und strukturelle Gewalt. Die Geschichten verschwimmen die Grenze zwischen Komödie und Tragödie und hinterlassen beim Publikum ein nachhallendes Unbehagen.
Die Premiere markiert einen weiteren kühnen Schritt für Jess, deren Werk das Publikum weiterhin mit scharfer Gesellschaftskritik herausfordert. Durch die drei Szenen legt das Stück die Folgen menschlicher Dominanz über die Natur schonungslos offen. Die eindringlichen Bilder und die beunruhigende Erzählweise sorgen dafür, dass die Themen noch lange nach dem Fall des Vorhangs nachwirken.






